Investor finden: Was Mittelständler bei der Investorensuche beachten müssen

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Viele mittelständische Unternehmen holen sich früher oder später einen Investor an Bord. Aber wie finden sie den richtigen Geldgeber? Welche Arten von Investoren gibt es? Und wie betreiben Mittelständler Investor Relations?

Das neue Werk, der Eintritt in einen neuen Markt oder die Weiterentwicklung des eigenen Geschäftsmodells: Wer mit seinem Unternehmen Geld verdienen will, muss häufig erst einmal einiges ausgeben. Nicht wenige Mittelständler holen sich dafür Investoren an Bord.

Im Idealfall entsteht so eine Win-win-Situation: Der Mittelständler bekommt eine (bankenunabhängige) Finanzspritze, kann sein Geschäft ausbauen und steigert mittelfristig seinen Unternehmensgewinn. Der Investor wiederum steckt sein Geld in produktive Assets und profitiert ebenfalls vom Erfolg des Unternehmens. Gerade mittelständische Unternehmen sind daher ein beliebtes Investitionsobjekt. Zwar ist die mögliche Gewinnspanne etwa bei Start-up-Investments mitunter größer, doch vielen Investoren ist die Sicherheit ihrer Anlage ebenfalls wichtig. Und die ist bei einem soliden mittelständischen Unternehmen deutlich größer. Schließlich haben viele von ihnen Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte überlebt.

Was aber müssen Unternehmer beachten, die einen Investor an Bord holen wollen (oder müssen)? Wie finden sie den richtigen Investor? Welche Arten von Geldgebern gibt es? Was müssen Unternehmen bei der Investorensuche und -ansprache beachten? „Markt und Mittelstand“ klärt die wichtigsten Fragen zum Thema.

Investorensuche: Wie findet man den richtigen Investor?

Vor der Wahl des Investors sollte sich ein Unternehmer die Frage stellen, was er mit der neuen Beteiligung erreichen will. Denn die Geldgeber bringen nicht nur frisches Kapital mit, sondern können dem Unternehmen auch mit ihren Kontakten und gegebenenfalls branchenspezifischen Kenntnissen weiterhelfen. Daher sollten Mittelständler nach speziell zu ihrem Geschäftsmodell passenden Investoren suchen. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Zusammenarbeit für beide Seiten. Für viele Branchen gibt es spezialisierte Beteiligungsgesellschaften.

Bei der Suche spielt aber immer auch Glück eine Rolle, schließlich muss der gewünschte Investor auch zum richtigen Zeitpunkt zur Verfügung stehen. „Es kann zum Beispiel immer sein, dass der eigentliche Wunschinvestor zwar grundsätzlich interessiert ist, aber momentan keine Ressourcen dafür hat, oder lieber ein größeres Investment tätigen will“, sagt Rudolf Kaiser. Der Geschäftsführer von Amicra hat sein Unternehmen im April 2018 an den ASMPT-Konzern verkauft – und fungiert dort nun als angestellter Geschäftsführer.

Definition: Was sind Finanzinvestoren, Anleihen und Business-Angels?

Es gibt zahlreiche Arten von Investoren. Jeder Typus hat seine Vor- und Nachteile. Wir stellen die wichtigsten vor – von A wie Aktionär bis P wie Private-Equity-Häuser.

Aktionäre kaufen (in der Regel an der Börse) Anteile an einem Unternehmen. Theoretisch können sie sich in Form eines Übernahmeangebots auch die Mehrheit am Unternehmen sichern und so über das weitere Vorgehen bestimmen. Oder sie lassen einfach ihr Geld für sich arbeiten und profitieren von der guten Geschäftslage. Mittelständler, die sich für einen Börsengang entscheiden, können gleich mehrfach profitieren: zum einen von einer massiven Finanzspritze beim IPO, zum anderen aufgrund einer höheren Bekanntheit auch bei Lieferanten und Kunden. Allerdings geht mit einer Börsennotierung auch eine höhere Transparenzpflicht einher, die speziell für Familienunternehmen mitunter ungewohnt ist. Gerade in Krisenzeiten müssen Unternehmen intensiv mit den Aktionären kommunizieren, damit der Aktienkurs nicht abstürzt. Denn sonst ist das über den IPO eingenommene Geld schnell wieder weg.

Mit Anleihen (englisch Corporate Bonds) holen sich Unternehmen über die Fremdkapitalseite oftmals eine langfristige Finanzspritze, um zum Beispiel in neue Maschinen investieren zu können. Standardmäßig haben diese Anleihen eine festgelegte Laufzeit und eine feste Zinszahlung. Speziell Investitionen in Unternehmen mit Investmentgrade-Rating sind aus Geldgebersicht besonders sicher. Aber auch Anleihe-Emittenten müssen regelmäßig über die Geschäftsentwicklung berichten. Seit einigen Jahren gibt es auch flexiblere Formen von Unternehmensanleihen, damit Mittelständler sich von Banken unabhängiger finanzieren können. Der Mittelständler Deutsche Lichtmiete finanziert sich etwa dank Anleihen und Direktinvestments seit seiner Gründung komplett ohne Bankkredite. Aufgrund von Skandalen und zahlreichen Pleiten sind jedoch gerade Mittelstandsanleihen, sogenannte Mini-Bonds, in Verruf geraten – teilweise zu Recht. Immer wieder brachen Mini-Bond-Emittenten wie der Erotikkonzern Beate Uhse oder der Agrarriese KTG unter der Schuldenlast zusammen. Dafür boomen mittlerweile andere Kapitalmarktinstrumente wie etwa der Schuldschein und Private Debt.

Business-Angels sind oft selbst Unternehmer und investieren ihr eigenes Geld vor allem in junge Start-ups. Meist kaufen sie Unternehmensanteile, bevor sich das Unternehmen am Markt etabliert hat. Daher winken diesen Investoren große Renditen, gleichzeitig besteht aber auch ständig die Gefahr eines Totalverlustes. In der Regel steigen Business-Angels nicht im Mittelstand ein. Einige Mittelständler sind jedoch selbst Business Angels und profitieren im Gegenzug von dem Know-how und der Innovationskraft ihrer Investments.

Banken, Fonds, Versicherungen sowie staatliche Investoren wie Bund und Länder gehören zu den institutionellen Investoren. Unter diesem Begriff werden jene Geldgeber zusammengefasst, deren Kapitalanlagen so hoch sind, dass sie (mindestens) einen eigens dafür eingerichteten Geschäftsbereich haben. Weil bei ihnen – im Gegensatz zu privaten Investoren – davon ausgegangen werden kann, dass sie sich mit der Materie auskennen, besitzen sie fast keinen Investorenschutz. Umgekehrt haben sie teilweise strenge Regeln, zum Beispiel was die Bonität eines Investmentziels angeht. Sie investieren in Unternehmen häufig über Schuldscheine.

Bei einem Management Buy-out übernimmt ein Mitarbeiter die Anteile des bisherigen Besitzers. Diese Variante wird in der Regel bei einer Unternehmensnachfolge eingesetzt. Der Vorteil: der Mitarbeiter kennt das Unternehmen, anders als die meisten anderen Investoren, bereits, sodass die Übergabe leichter fällt.

Unter dem Begriff Mergers & Acquisitions, kurz M&A, werden alle Unternehmenstransaktionen wie Fusionen, Unternehmenskäufe oder Übernahmen zusammengefasst. Solche Transaktionen können unterschiedliche Gründe haben: Manchmal benötigt ein Unternehmen Geld, um zu überleben, manchmal haben sich mehrere Gesellschafter über die Zukunft zerstritten. Und manchmal lässt sich die Unternehmensnachfolge nur durch einen Verkauf an einen Investor regeln – und wenn sie nur einen Teil des Unternehmens übernehmen, wie bei Schiffer Service, wo der andere Teil an den neuen geschäftsführenden Gesellschafter Ralph Bauer ging. Dabei achten die Verkäufer oft nicht nur auf den Kaufpreis – ihnen geht es meist auch um die Zukunft des Unternehmens.

Private Debt bezeichnet die Kreditfinanzierung durch Investoren, die keine Banken sind. Solche Kredite von privaten Investoren werden seit einigen Jahren bei Mittelständlern immer beliebter, auch weil zum Beispiel Ratingvoraussetzungen häufig geringer sind als bei anderen Finanzierungsarten. Welche verschiedenen Arten von Private-Debt-Fonds es gibt, lesen Sie bei den Kollegen von FINANCE.

https://www.marktundmittelstand.de/finanzierung/investor-finden-was-mittelstaendler-bei-der-investorensuche-beachten-muessen-1280251/

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